Bernt Müller – Einsatz von Open-Source-Software in der professionellen Druckmittelproduktion

Kurzbeschreibung:

Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Anwendungsqualität das
Open-Source-Modell im Bereich der Grafikanwendungen und insbesondere im Bereich
der Druckmittelproduktion bieten kann. Das grafische Gewerbe stellt dabei eine Anwen-
dergemeinde dar, die einerseits grundsätzlich technisch versiert ist, andererseits im Hin-
blick auf ihre Anwenderansprüche eine stark heterogene Struktur besitzt. Im Vergleich
zu Bereichen, in denen das Open-Source-Modell offensichtlich Erfolge verbuchen kann,
wie beispielsweise in Teilen der Erstellung und Verbreitung von Internetangeboten,
besitzen die Entwickler der Druck- und Medientechnik nicht grundsätzlich Program-
mierkenntnisse, wodurch eine direkte Beteiligung der Programmbenutzer an der An-
wendungsentwicklung in einigen Fällen behindert werden könnte. Erschwerend kommt
hinzu, dass ein mit dem Computer erstelltes Druckprodukt den Ansprüchen verschiede-
ner Arbeitsumgebungen gerecht werden muss: Heutzutage verbreitete Standards wie
PDF / X für den Austausch von Druckdaten oder der ICC-Standard für Farbprofile sind Er-
gebnisse einer engen und kostenintensiven Zusammenarbeit zwischen Softwareunter-
nehmen und der bereits selbst stark diversifizierten Druckindustrie. Obendrein müssen
alle entstehenden Softwareprodukte schließlich auch anwenderfreundlich und flexibel
in individuelle Produktionsumgebungen integrierbar sein, um ihren Anwendern eine
konkurrenzfähige Arbeitsweise zu ermöglichen.
Die Ansprüche sind im Bereich der Druckmittelproduktion folglich besonders hoch.
Auf eine gezielte Suche nach innovativen Funktionalitäten der betrachteten Programme
wird in dieser Arbeit daher grundsätzlich verzichtet. Vielmehr soll festgestellt werden,
ob die Programme im Bereich elementarer Funktionen zuverlässig arbeiten. Dies um-
fasst die Erstellung von Seitenlayouts auf Basis einer kommandozeilenbasierten (LaTeX)
und einer grafischen Oberfläche (Scribus) unter Berücksichtigung einfacherer gestalte-
rischer Optionen wie der Verwendung verschiedener Schriften, Textflussvarianten oder
Transparenzen und Sonderfarben. Dabei wird insbesondere Wert auf eine korrekte Um-
setzung der verwendeten Effekte und auf einen standardkonformen Datenexport gelegt,
damit eine einwandfreie Weiterverarbeitung der erstellten Dokumente entlang der Pro-
duktionskette gewährleistet werden kann. Das Bildbearbeitungsprogramm GIMP wird
auf seine Leistungsfähigkeit im Hinblick auf die Durchführung von Farb- und Tonwert-
korrekturen sowie Schärfungsmethoden überprüft, die für eine gute Wiedergabe des
Bildmaterials wichtig sind. Darüber hinaus wird die Einsetzbarkeit für die Bearbeitung
von bereits für die Druckausgabe separierten CMYK-Daten untersucht.
Bei der Bewertung der Leistungsfähigkeit sind die Arbeitsgeschwindigkeit, die Stabi-
lität und die Ergonomie der Programme entscheidend. Die Qualität der einzelnen Funk-
tionen wird anhand von Vergleichen mit branchenüblicher Software festgestellt. Neben
der qualitativen Untersuchung der Programme wird jeweils ein Überblick über die Her-
kunft des Programms sowie die in nächster Zeit angekündigten Weiterentwicklungen
gegeben.
Open-Source-Software befindet sich auf Grund der offenen Entwicklergemeinde wie
keine andere Form von Computerprogrammen stets in einem starken Entwicklungspro-
zess. Häufig standen beim Abschluss der Betrachtung eines Programms bereits wieder
neue Versionen zum Download bereit. Eine schnelle Fortentwicklung ist daher ein wich-
tiges Qualitätsmerkmal von Open-Source-Anwendungen und zeugt von einer breiten
Anwendergemeinde. Maßgeblich für die Auswahl der näher untersuchten Programme
war daher eine Abwägung zwischen der Größe des aktuellen Funktionsumfangs und der
Schnelligkeit des Entwicklungsfortschritts in den vergangenen Jahren.